Selbstporträt, 1926 
Der Kunstmaler Fritz Pümpin (1901-1072) ist hauptsächlich für seine Bilder von Baselbieter Landschaften bekannt. Er machte sich auch als Militärmaler, der die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs dokumentierte, und als Archäologe, der unter anderem das keltische Töpferdorf “Sissiacum” entdeckte, einen Namen. 

Doch wer war Fritz Pümpin wirklich? Welche Erfahrungen prägten ihn in seiner Jugend – als Person und als Künstler? Diesen Fragen ging Kuratorin Ursula Pfister in der Ausstellung “Pümpin emotional” nach. Was sie entdeckte, sind Geschichten und Gemälde, die bislang nur Fritz Pümpins Familie und seinem engeren Freundeskreis bekannt waren. 

Die frühen Lebensjahre von Fritz Pümpin fielen in eine Zeit, die von einer Pandemie, einer Weltwirtschaftskrise und zwei Weltkriegen gezeichnet war. Während dieser turbulenten Epoche begab sich Pümpin auf die Suche nach seiner eigenen persönlichen und künstlerirschen Identität.  
Um Fritz Pümpin besser zu verstehen, ist es hilfreich, sich mit seinem familiären Hintergrund vertraut zu machen. Der Vater des Kunstmalers, ebenfalls Fritz genannt, war in seiner Jugend – getrieben von finanzieller Not - in die Vereinigten Staaten ausgewandert. Auf der Suche nach Arbeit reiste er durch das ganze Land und fand schliesslich eine Anstellung als Cowboy in Minnesota und später in Dakota. Nach fast fünf Jahren «drüben» packte ihn das Heimweh und er entschied sich, für einen Besuch nach Hause zu reisen. Er kam am Weihnachstabend 1899 in Basel an. Kurz darauf lernte er Elisabeth Mollet, die neue Ladentochter in der Eisenhandlung Denger in Gelterkinden kennen. Elisabeth und Fritz Senior verliebten sich und heirateten im Frühling 1900 in der Kirche von Gelterkinden. Dank der Ersparnissen aus Amerika, gelang es dem Paar die Weihandlung eines verstorbenen Verwandten am Dorfplatz Gelterkinden zu übernehmen. Am 29. März 1901 kam Fritz Pümpin – der zukünftige Kunstmaler – zur Welt. Er war der älteste von insgesamt fünf Geschwistern.

Bereits als Kind zeigte Fritz Pümpin eine leidenschaftliche Hingabe zur Malerei. Vor allem Kriegsszenen dienten ihm als Mittel, die Ereignisse des Ersten Weltkriegs zu verarbeiten. Seine Mutter Elisabeth, die eine entfernte Verwandtschaft zum Maler Frank Buchser aufwies, zeigte grosses Verständnis für die künstlerische Begabung ihres Sohnes und förderte diese nach Kräften. Einen Besuch im Kunstmuseum Solothurn zusammen mit seiner Mutter beschrieb Fritz Pümpin viele Jahre später als ein zutiefst prägendes Erlebnis: «Der Eindruck, den ich dort empfing, wird mir immer in Erinnerung bleiben».

Trotz den Wirren des Ersten Weltkriegs und der Spanischen Grippe wuchs die Weinhandlung Pümpin. Bald kaufte sich Fritz Senior einen Lieferwagen der Marke Benz-Gaggenau. Der junge Fritz war der einzige, der Autofahren konnte, und so musste, beziehungsweise durfte er Fritz Senior herumchauffieren und mit ihm auf Reisen gehen. Fritz Senior hatte aber mit seinem ältesten Sohn einige Mühen. Der junge Fritz sollte Nachfolger im Geschäft werden, doch seine Leidenschaft galt der Malerei und der Archäologie. Elisabeth musste oft als Vermittlerin zwischen Fritz Senior und dem «Fritzli» einspringen, wenn es um das Fördern seiner künstlerischen Fähigkeiten ging. Die Familie einigte sich auf einen Kompromiss, wobei der «Fritzli» zuerst einen Kunstaufenthalt in der Romandie, beim Maler H. Jeannet in La Chaux-de-Fonds, machen durfte, danach aber die Handelsschule in Basel absolvieren musste. Mit 19 Jahren, trat der junge Fritz in die väterliche Weinhandlung ein.

Viele Jahre später, erinnerte sich Fritz Pümpin wie folgt an diese Zeit: «Nun wurde ich Sonntagsmaler und blieb das eigentlich mehr als ein Jahrzehnt lang. Nicht, dass ich nur an Sonntagen malen ging. Nein, auch etwa werktags.. und das eigentlich mehr, als ich es tun sollte; hätte mich doch das väterliche Geschäft, in dem ich tätig war, mehr in Anspruch nehmen müssen. Aber diese verfluchte Malerleidenschaft, dazu noch eine weitere fatale Passion, die Freude an unserem heimatlichen Bodenaltertümern, beide trieben mich nur zu oft vom übernommenen Mussberuf weg

In seiner Freizeit besuchte Fritz Pümpin die Kunstgewerbeschule in Basel und studierte als Autodidakt Ausstellungen und Museen. Die in der Ausstellung «Pümpin emotional» präsentierten Bilder verdeutlichen, wie er in dieser Phase seines künstlerischen Werdegangs verschiedene Techniken erprobte und Stilrichtungen erforschte.

Im Jahr 1930 verstarb Fritz Senior unerwartet an den Spätfolgen einer Malaria-Erkrankung, die er vor langer Zeit auf seinen Reisen ins Mississippi-Delta eingefangen hatte. Der junge Fritz und sein 11-Jahre jüngerer Bruder Walter übernahmen das väterliche Geschäft. Die tobende Weltwirtschaftskrise, die ungenügenden kaufmännischen Kompetenzen des jungen Fritz und seine fehlende Motivation für den Weinhandel konnten nur ein Resultat herbeiführen: der Niedergang der Weinhandlung.

Während diesen düsteren Dreissigerjahren lernte Fritz die Tochter des Wirts zur Roseneck kennen. Rösli Gerster war selbst eine talentierte Pianistin, musste jedoch ihre musikalischen Ambitionen aufgeben, als ihr Vater, der Wirt der Roseneck, frühzeitig an einer Blinddarmentzündung verstarb. Aufgrund des unerwarteten Todes ihres geliebten Vaters sah sich Rösli gezwungen, beim Betrieb der Roseneck mitzuhelfen. Dabei eignete sie sich rasch kaufmännische Kompetenzen an, die ihr später im Leben von Nutzen sein sollten. Bei ihren neuen Aufgaben lernte sie den jungen Weinlieferanten Fritz Pümpin kennen. Sie war von diesem jungen Mann und seiner Leidenschaft für die Kunstmalerei sehr angetan. Aus der ersten Begegnung entwickelte sich eine tiefe Liebe.

Aus dieser bewegten Zeit stammt das Bild «Gewitterstimmung in Rheinfelden». Das Bild zeigt die innere Unruhe und Zerrissenheit des Kunstmalers. Wie ein Tornado, dreht sich der Wind um einen tiefroten und ruhigen Punkt, der Rosengarten vor dem Park Hotel in Rheinfelden. Denn es war Rösli, die ihm half, den Weg aus dieser Krise zu finden und ihm dem Mut gab, sich vollständig auf seine Kunstmalerei zu konzentrieren. 

Obwohl Fritz Pümpin nicht als solide und wirtschaftlich-sichere Partie galt, setzte sich Rösli gegenüber ihrer Familie durch und heiratete ihren Fritz am 15. April 1936 in Gelterkinden. Der Ehe entsprossen die zwei Söhne Volkmar (* 1937) und Cuno (* 1939). Während Fritz seiner künstlerischen Leidenschaft nachging, sorgte Rösli dafür, dass seine Werke bekannt wurden. Aus heutiger Sicht würde man sagen, dass Rösli die Marketing-Expertin und Geschäftsleiterin im Pümpin-Haushalt war.

Zwischen 1939 und 1945 war Fritz Pümpin bewaffneter Soldat des Hilfsdienstes im Schweizer Grenzschutz und dokumentierte mit seinen Bildern unter anderem die Region Basel zur Zeit der Grenzbesetzung 1939-45, die Ankunft der Alliierten and der Schweizer Grenze bei Basel und das Bombardement von Basel. Nach 1945 malte Fritz Pümpin hauptsächlich in seiner beliebten Baselbieter Heimat, bis zu seinem Tod 1972. Fritz Pümpin wurde in der Region zu einem einflussreichen Maler, dessen Bilder regelmässig ausgestellt wurden, unter anderem auch im Landesmuseum Zürich in 1989.

Vergangene Ausstellungen und Projekte


2020 : Serie “Ich und mein Pümpin”, in Zusammenarbeit mit der Zeitung Volksstimme
2013  : Eröffnung des Fritz Pümpin Wegs in Gelterkinden BL
2008: “Porträt-Ausstellung”, Raiffeisenbank, Gelterkinden BL
2001 : “100 Jahre Fritz Pümpin Retrospektive”, Schloss Prattlen, Pratteln BL
2001 : “100 Jahre Fritz Pümpin Retrospektive, eine Erinnerung”, Bürgerhaus, Gelterkinden BL
1989 : “Die Grenzbesetzung 1939-1945 aus der Sicht de Malers”, Landesmuseum, Zürich ZH
1984 : “Fritz Pümpin als Militärmaler”, Altes Zeughaus, Liestal
1980 : “Gedächtnisausstellung”, Kunst bei Sandoz, Basel BS
1976 : “Basler Künstler”, Galerie Orly, Basel BS
1961  : Jubiläumsausstellung, Schloss Ebenrain, Sissach BL
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